Praxisbeispiel Angehörigenbetreuung

Wie Roche ihre Mitarbeitenden unterstützt

Die Lebenserwartung steigt, der Anteil der älteren Menschen in der Gesellschaft nimmt zu – umso wichtiger wird daher das Thema Angehörigenbetreuung. Roche ist eines der Unternehmen in der Schweiz, die die Mitarbeitenden bei der Betreuung ihrer Eltern oder Partner bereits systematisch unterstützen. Und das mit überwiegend positiven Erfahrungen, wie Simona Starzynski, HR Specialist Diversity & Inclusion, im Gespräch erklärt.

Wie unterstützt Roche ihre Mitarbeitenden beim Thema Angehörigenbetreuung konkret?

Zeit, Beratung, Firmenkultur und finanzielle Unterstützung – auf diesen vier Säulen bauen wir auf. Das heisst zum Beispiel: Wir helfen unseren Mitarbeitenden, besser mit der grossen zeitlichen Belastung umzugehen. So können sie – wie Eltern bei kranken Kindern – drei Tage Versorgungsurlaub beanspruchen. Oder in intensiven Fällen können sie auch bis zu sechs Monate unbezahlte Pflegezeit beziehen. In jedem Fall versuchen wir in Absprache mit den Vorgesetzten, die Arbeit flexibel anzupassen oder zu organisieren,. Um bei Fragen der Pflege professionelle Beratung zu bieten, arbeiten wir zudem mit einem spezialisierten Dienstleister zusammen. Dieser berät auf unsere Kosten die Mitarbeitenden mit Angehörigen in der Schweiz, in Deutschland und Frankreich. Und indem wir das Thema in unserer internen Kommunikation immer wieder offen ansprechen, wird es längerfristig in der Firmenkultur fester verankert. Denn oberstes Ziel nicht nur der HR-Verantwortlichen, sondern der gesamten Geschäftsleitung ist: Wir wollen unsere Mitarbeitenden auch in schwierigen Lebensumständen gesund im Arbeitsprozess halten. Familie begleitet Menschen ein Leben lang, egal wie alt man ist.

Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie?

Vor drei Jahren haben wir unseren Viersäulenansatz eingeführt, und die positiven Erfahrungen überwiegen seither deutlich. Es hat sich gezeigt, dass wir die betroffenen Mitarbeitenden effektiv entlasten können. Gleichzeitig verstehen immer mehr Vorgesetzte und Teams, wie sie ihre Kolleginnen und Kollegen unterstützen können. Beispielsweise: Wie kann die Arbeit konkret angepasst werden? Welche Aufgaben können von Teammitgliedern übernommen werden, häufige Dienstreisen vielleicht oder regelmässige Meetings, die die notwendige Flexibilität einschränken? Welche Verantwortlichkeiten können delegiert werden, etwa als Entwicklungschance für eine Kollegin oder einen Kollegen? Kann die Projektleitung vorübergehend jemand anderem übertragen werden? Dies können durchaus interessante Ansätze für das gesamte Team sein.
Allerdings sind personelle Ressourcen generell eher knapp. Und je langwieriger und komplexer die Pflegefälle sind, desto mehr gelangen wir an die Grenzen unserer Möglichkeiten. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und unserer alternden Gesellschaft ist jedoch klar: Der Bedarf nach Angehörigenbetreuung wird weiter zunehmen. Familienstrukturen haben sich stark gewandelt und damit auch die Anforderungen an familiäre Unterstützung. Wir möchten dem Rechnung tragen.

Welche Punkte sollten Arbeitgebende bei der Einführung derartiger Angebote besonders beachten?

Empfehlen kann ich persönliche Gespräche mit Betroffenen – sowohl Mitarbeitenden als auch Vorgesetzten. Nur so lernt man die wirklichen Sorgen und Nöte kennen. Unabdingbar ist auch, dass die Mitarbeitenden selbst weiterhin die Pflege- und Betreuungsverantwortung tragen und wir sie dabei unterstützen. Entscheidend ist, dass sich Arbeitnehmende und Arbeitgebende auf Augenhöhe begegnen – dass es tatsächlich ein beiderseitiges Geben und Nehmen ist.